Regionales Umweltzentrum Schortens
Kinder forschen für Ihre Zukunft
Globales Lernen

Globales Lernen


Es gab und es gibt tausende von sichtbaren und unsichtbaren Fäden, mit denen die Muster gewebt werden, die uns in dieser Welt verbinden.
Für uns war diese Geschichte ein Faden, der eine Verbindung mit der indianischen Welt herstellt und uns inspirierte, die pachamama als ein Zeichen indianischer Welterfahrung mitten in die ostfriesische Landschaft zu platzieren. Zusammen mit fünfzig SchülerInnen der Integrierten Gesamtschule Wilhelmshaven und der Általános Schule aus Nagybajom/Ungarn haben wir in der Zeit vom 21.06. bis zum 02.07.1999 die Erdskulptur pachamama geschaffen.
Was bedeutet Pachamama ?

Was bedeutet Pachamama ?


Die Figur pachamama von oben gesehenPachamama (Mutter Erde) ist eine Figur aus einem indianischen Schöpfungsmythos. Sie symbolisiert die Kraft des Lebens, ist die Quelle alles Lebendigen. „Pachamama ist die alles durchziehende Energie, die Kraft, die alles Leben hervorbringt.“ Sie ist „die Mutter aller Lebewesen und Dinge“, somit auch die Mutter aller Menschen. In diesem Projekt entstand ein überdimensionales Abbild der pachamama aus Erde, Grassoden, Steinen, Lehm, Zweigen, Baumstämmen und Muscheln.
Projektidee / Projektziel

Projektidee / Projektziel


Das Regionale Umweltzentrum (RUZ) Schortens e.V. bietet seit 1993 Umweltbildung für Schulklassen an. Trotz positiver Resonanz seitens der Gruppen, die die Angebote des RUZ Schortens nutzen, bleiben Fragen bezüglich der Wirkung auf das Umwelthandeln des Einzelnen offen: Ob und wie können gewonnene Einstellungen und Werte als Grundlage des individuellen Handelns nachhaltig emotional verankert werden? Wie gestaltet man Bildungsarbeit, die die aktive Teilhabe der SchülerInnen an der zukünftigen Gestaltung ihres eigenen Lebensumfeldes zum Ziel hat? Und wie öffnet man darüber hinaus den Blick für globale Zusammenhänge in diesen konkreten Lebenssituationen?. Um diesen Fragen näher zu kommen, suchten die Mitarbeiter des RUZ Schortens Unterstützung durch Fachleute aus dem Bereich des Globalen Lernens. Seit längerer Zeit arbeitet das Zentrum mit der Arbeitsstelle Weltbilder, einer Einrichtung für Interkulturelles Lernen, zusammen. Das beschriebene Projekt entstand im Rahmen dieser Kooperation.
Die pachamama ist ein erstes künstlerisches Beispiel, das Zusammenhänge zwischen Umwelt und Entwicklung konkret werden lässt und dabei die bisherigen Erfahrungen der Umweltbildung um internationale Aspekte erweitert.

Bewusstheit gegenüber den eigenen Lebensformen und Vorstellungen, Respekt vor den Lebensformen anderer sowie die Erkenntnis, dass unsere Art zu leben untrennbar verbunden ist mit den Lebensmöglichkeiten anderer Völker, ist das Ziel dieses Projekts.
Methoden

Methoden


Dazu sollten mit künstlerischen Mitteln im Klosterpark des RUZ Schortens drei Dinge zusammengebracht werden, die räumlich getrennt sind: die indianische Sicht/Erfahrung von Natur, die ungarische und die deutsche Sicht/Erfahrung derselben. Zusammen mit dem kolumbianischen Künstler Jorge Hidalgo und den ungarischen und deutschen SchülerInnen wurde die Erdskulptur und andere figürliche Kunstwerke geschaffen. Die gemeinsame künstlerische Arbeit ist hier die Methode, um gedanklich und gefühlsmäßig die bisher getrennt wahrgenommenen Sichtweisen von Natur und Umwelt in verschiedenen Kulturen miteinander zu verbinden. Durch eine intensive Vorbereitung wurde gleichzeitig der Blick auf die eigenen Füße ermöglicht: alle SchülerInnen sind vorher auf die eigene Spurensuche gegangen, haben vergangene, aktuelle und eigene Vorstellungen von Natur, Umwelt recherchiert. Sie haben Eltern und Großeltern befragt, Märchen und Bräuche gesammelt und Veränderungen und Zerstörungen von Natur festgestellt. Bevor sie dem fremden begegneten, wollten wir, dass sie das Eigene kennen. Wir wollten ja kein Projekt machen, in dem Exotik oder Indianerromantik Platz haben, sondern eines, das eine ständige Wechselbeziehung zwischen Eigenem und Fremden zulässt und aus dieser Spannung heraus Neugier und Interesse weckt.
Erlebnisse und Erfahrungen aus der Praxis

Erlebnisse und Erfahrungen aus der Praxis


Schüler arbeiten an Details der pachamamaAn jedem Morgen haben sich alle Beteiligten in einem Zelt versammelt. Jorge Hidalgo hat über geschichtliche Ereignisse und Lebensweisen indianischer Völker berichtet, hat Musikinstrumente gezeigt und darauf gespielt. Er hat Bilder aus seiner Heimat gezeigt. In dieser Runde erhielt auch jeder Jugendliche die Möglichkeit, seine Recherchen zu präsentieren. Bevor es dann an die praktische Arbeit ging, tanzten alle gemeinsam einen Kreistanz: „Die einfachen Bewegungen in den Tänzen dienen dazu, die Energie von Mutter Erde zu verstärken" (Jorge Hidalgo).
Durch die Erzählungen Hidalgos, den Austausch der eigenen Erfahrungen und insbesondere durch die Arbeit mit Händen, Spaten und Schippe an der Erdskulptur, veränderte sich auch etwas im Denken und Tun der SchülerInnen. Sie dachten intensiv über ihr eigenes Verhältnis zur Natur nach und realisierten kleine Veränderungen. Manche haben zum ersten Mal die Augen dafür geöffnet, dass es ganz unterschiedliche Bäume gibt... Dass Bäume unsere Brüder sind, wie die indianische Sichtweise vermittelt, war vielfach ein neuer und bisweilen auch komischer Gedanke. Und doch hat er berührt:
"Wenn Bäume unsere Brüder sind, dann ist das Wort Umwelt ja falsch, denn dann tun wir so, als hätten wir Menschen nichts damit zu tun, was um uns herum ist."
Das Buch zum Projekt

Das Buch zum Projekt


Titelseite des Buchs zum Projekt pachamamaElisabeth Marie Mars, Uwe Fahrenholz (Hrsg.): „pachamama – Globales Lernen im Dialog mit Kunst und Natur“.

Horlemann Verlag, 2000.
ISBN 3-89502-120-2, Preis: 24,80 DM.
Das Buch enthält eine anregende Mischung aus Fachbeiträgen zum Globalen Lernen, zur Umweltbildung und zur Bildung eine nachhaltige Entwicklung sowie die Projektdokumentation mit zahlreichen Farbfotos.