Die niedersächsische Landesregierung will die frühkindliche Bildung in Kindertagesstätten fördern – das Regionale Umweltzentrum Schortens erprobt die Umsetzung im Bereich der Naturwissenschaften.
Im Auftrag des Kultusministeriums und mit Unterstützung der EWE-Stiftung hat das Team des RUZ Schortens Materialien und Methoden zur naturwissenschaftlichen Grundbildung entwickelt und mit den Kindern in 14 Kindertagesstätten und 8 Grundschulen der Region Friesland- Wittmund- Wilhelmshaven- Ammerland erprobt. In zwei Arbeitskreisen setzen sich Erzieherinnen und Lehrkräfte intensiv mit der Thematik auseinander.
Nach dem Motto "Lernen durch Lehren" übernehmen Schüler der Klassen 7 bis 12 von Gymnasien und Realschulen die Betreuung der Grundschulkinder im chemischen Labor. Auch Schüler einer 4. Klasse sind durchaus in der Lage, Kindergartenkinder beim Experimentieren zu unterstützen.
Das Ergebnis der Pilotphase: Es funktioniert ! Die Kinder gehen begeistert, neugierig und unbefangen an das Experimentieren heran und – was noch viel wichtiger ist - sie entwickeln eigene Gedanken zur Klärung der Phänomene. Das Forschen beginnt ! Die Versuche sind so angelegt, dass die Kinder zu Fragen angeregt werden und sie diese Fragen in weiteren selbst entwickelten Experimenten klären können. Nicht das Wissen, sondern die Förderung des Denkens und Nachfragens steht im Mittelpunkt !
„Experimentieren, das ist, wenn man etwas ausprobiert, damit wir die Welt besser kennen lernen“, mit dieser Aussage trifft ein fünfjähriges Kindergarten-Kind den Kern der naturwissenschaftlichen Grundbildung. Selbst die Chemiedidaktik-Professorin Gisela Lück von der Universität Bielefeld drückt es kaum eindrucksvoller aus: „Bildung ist nicht gleich Wissen, sondern eine Kompetenz, die erworben wird, um die Welt zu verstehen, sich selbst erklärbar zu machen“.
Erzieherinnen in Kindertagesstätten haben erkannt, dass frühkindliche Bildung gelingt, wenn sie sich selbst zurücknehmen und eher unterstützend wirken. „Hilf mir, es selbst zu tun“, dieses Leitmotiv von Maria Montessori bewährt sich gerade beim experimentellen Erkunden der Naturphänomene. Das selbstständige Forschen führt die Kinder zum „Begreifen“ im wahren Sinn des Wortes. Natürlich gibt es mitunter ganz verschiedene Erklärungsversuche, und darüber muss man sich verständigen. Die Kinder erweitern ihre sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, erkennen die Vorteile kooperativer Arbeit, helfen sich gegenseitig. So werden bei der gemeinsamen Suche nach Erklärungen auch soziale Kompetenzen trainiert.
In einer regionalen und zwei landesweiten Fachtagungen hat das RUZ-Team die Mitarbeiter anderer RUZ über die Projektarbeit informiert und praxisnah fortgebildet. In einigen RUZ werden die Anregungen aus den Fachtagungen bereits umgesetzt. Da die RUZ in Niedersachsen über gute Kontakte zu Schulen ihrer Regionen verfügen, können die Erfahrungen aus dem Projekt des RUZ Schortens zügig landesweit verbreitet und in den Schulen umgesetzt werden.
Im November 2007 werden die Impulse zur naturwissenschaftlichen Grundbildung in weitere Kindertagesstätten und Grundschulen getragen. Dazu führt das Team des RUZ Schortens regionale Fortbildungen durch. Dem Übergang zwischen Kindertagesstätte und Schule im Sinne einer anschlussfähigen Bildung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Materialien und Methoden werden weiterentwickelt - die Kinder sind dabei die besten Kritiker !
Die dritte Projektphase ab 2008 sieht eine Verankerung der naturwissenschaftlichen Grundbildung in der Ausbildung von Erzieherinnen und Lehrkräften vor, basierend auf den Erfahrungen der vorangegangenen Projektarbeit. Dazu wird eine intensive Zusammenarbeit mit Universitäten und berufsbildenden Schulen und mit anderen Umweltzentren angestrebt.